VitiVoltaik - Weinbau unter Fotovoltaikmodulen

Weinbau und Energiegewinnung auf einer Fläche

Wie lassen sich landwirtschaftliche Produktion und erneuerbare Energie miteinander verbinden?

Dieser Frage widmet sich ein mehrjähriges, vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft finanziertes DAFNE-Projekt zur VitiVoltaik.

Im Mittelpunkt stehen die Rebsorten Grüner Veltliner und Weißburgunder.

Untersucht wird, welchen Einfluss eine Photovoltaiküberdachung auf die Phänologie sowie auf die generative und vegetative Entwicklung der Reben hat. Gleichzeitig fließen die praktischen Erfahrungen der Bewirtschafter in die Untersuchungen ein.

Auf dieser Basis sollen Vorschläge zur Weiterentwicklung und Verbesserung des VitiVoltaik-Systems erarbeitet werden.

 

Österreichisches Pilotprojekt in Zistersdorf

Im Jahr 2025 wurde im Rahmen eines Pilotprojektes der Firma RWA Solar Solution in der Gemeinde Zistersdorf eine Photovoltaikanlage auf einer Fläche von 9.342 m² finanziert und installiert. Seit Beginn des Jahres 2026 ist die Anlage in Betrieb.

Es handelt sich dabei um die erste netzgekoppelte Photovoltaikanlage über Weinreben in Österreich.

Eine Besonderheit des Systems ist die Unterkonstruktion: Sie erfüllt nicht nur eine statische Funktion für die Photovoltaikanlage, sondern dient gleichzeitig als Abspannung für die Rebzeilen. Die Reben sind damit direkt in das Photovoltaiksystem integriert.

Die Doppelnutzung der Fläche für Strom- und Traubenproduktion bringt allerdings auch neue Anforderungen an die Bewirtschaftung mit sich. Der Einsatz klassischer Überzeilengeräte ist unter den Photovoltaikmodulen nicht möglich. Die weinbaulichen Arbeitsabläufe müssen daher entsprechend angepasst werden.

Der Fokus liegt auf der Produktion hochwertiger Trauben, die von Hand geerntet werden. Die qualitätsorientierte Handarbeit gewinnt in diesem System daher an Bedeutung.

Erste Ergebnisse aus dem Jahr 2026

Die ersten Erhebungen im Jahr 2026 zeigen bereits deutliche Unterschiede zwischen den Reben unter den Photovoltaikmodulen und den Vergleichsflächen ohne Photovoltaiküberdachung.

Deutlich stärkeres Triebwachstum

Sowohl beim Grünen Veltliner als auch beim Weißburgunder wurde unter den Photovoltaikmodulen ein deutlich stärkeres Triebwachstum festgestellt.

Beim Grünen Veltliner betrug die durchschnittliche Trieblänge am 15. Juni 2026 62,2 cm unter Photovoltaik, gegenüber 37,6 cm ohne Photovoltaik.

Beim Weißburgunder wurden unter den Modulen 148,9 cm gemessen, während die Vergleichsreben 86,4 cm erreichten.

Die Unterschiede waren in beiden Fällen statistisch hochsignifikant (P < 0,001).

 

Verzögerte Reifeentwicklung

Auch bei der Reifeentwicklung zeigten sich deutliche Unterschiede. Beim Grünen Veltliner lag das Mostgewicht unter den Photovoltaikmodulen sowohl am 18. August als auch am 30. August unter jenem der Vergleichsvariante.

Am 30. August wurden beispielsweise 17,2 °KMW unter Photovoltaik und 19,1 °KMW ohne Photovoltaik gemessen.

Gleichzeitig war der Säuregehalt unter den Modulen höher: 8,6 g/l gegenüber 6,7 g/l.

Die Ergebnisse weisen damit auf eine verzögerte Reifeentwicklung der Trauben unter der Photovoltaiküberdachung hin.

 

Weniger Sonnenbrandschäden

Ein weiterer interessanter Effekt zeigte sich beim Sonnenbrand. Unter den Photovoltaikmodulen konnten deutlich geringere Sonnenbrandschäden beobachtet werden.

Die Beschattung durch die Module könnte damit einen wichtigen Vorteil in Jahren mit hoher Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen darstellen.

Welche Auswirkungen diese veränderten Bedingungen langfristig auf Ertrag und Traubenqualität haben, ist Gegenstand der weiteren Untersuchungen.

Neue Herausforderungen im Weingarten

Neben den positiven beziehungsweise interessanten Effekten zeigte das erste Untersuchungsjahr auch Herausforderungen.

So kam es nach Gewittern zu einer starken Furchenbildung im Boden. Ursache war der konzentrierte Wasserabfluss von den Photovoltaikmodulen. Dieser Effekt muss bei der Planung und Bewirtschaftung solcher Anlagen berücksichtigt werden.

Auch die eingeschränkte Möglichkeit, klassische Überzeilengeräte einzusetzen, erfordert angepasste Arbeitsverfahren. Die praktische Bewirtschaftung ist daher ein wichtiger Bestandteil des Forschungsprojektes.

 

Handarbeitslese und weitere Untersuchungen

Am 15. September 2026 wurden die Trauben im Photovoltaikweingarten von Hand gelesen. Die Trauben wurden in Kleinkisten geerntet und anschließend zur Verarbeitung nach Klosterneuburg transportiert.

Die Handlese ermöglicht eine detaillierte wissenschaftliche Auswertung. Dabei werden unter anderem Ertrag pro Stock, Traubenanzahl, Traubengewicht und Beerengewicht erfasst.

Darüber hinaus sind Mostanalysen und sensorische Weinbewertungen nach der Mikrovinifikation vorgesehen. Diese Untersuchungen sollen weitere Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Photovoltaiküberdachung auf die Zusammensetzung und die sensorische Qualität der daraus erzeugten Weine auswirkt.

 

VitiVoltaik – ein Forschungsfeld mit Zukunft

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass Weinbau unter Photovoltaikmodulen sowohl Chancen als auch neue Herausforderungen mit sich bringt.

Ein stärkeres Triebwachstum, eine verzögerte Reifeentwicklung und weniger Sonnenbrandschäden stehen unter anderem veränderten Bewirtschaftungsbedingungen und Problemen beim Wasserabfluss gegenüber.

Das mehrjährige Projekt soll dazu beitragen, diese Zusammenhänge genauer zu verstehen und praktische Empfehlungen für die Weiterentwicklung von VitiVoltaik-Systemen im Weinbau zu erarbeiten.

Weitere Ergebnisse aus den Mostanalysen, den Ertragsauswertungen und den sensorischen Weinbewertungen werden nach Abschluss der jeweiligen Untersuchungen veröffentlicht.

Quelle: M. Mehofer

Veröffentlicht am 30.09.2026