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Am Standort Klosterneuburg wurden bis zum 26. August lediglich 223 l/m² Niederschlag registriert. Die Folgen des Wassermangels waren sowohl in jungen Weingärten als auch in älteren Ertragsanlagen sichtbar. Eingeschrumpfte Beeren und vertrocknete Blätter waren vielerorts zu beobachten. In Extremsituationen stellten die Reben den Reifeprozess ein.
Damit stellt sich die Frage:
Welche Maßnahmen können kurzfristig helfen, die Auswirkungen von Trockenstress zu reduzieren, und welche Strategien können langfristig die Widerstandsfähigkeit der Weingärten erhöhen?
Kurzfristige Maßnahmen
Eine wichtige Möglichkeit besteht in einer angepassten Bodenbearbeitung und Begrünungsstrategie. Bei anhaltendem Wassermangel kann eine Teilzeitbegrünung gegenüber einer Dauerbegrünung Vorteile bieten. Durch das Kurzhalten oder Umknicken der Begrünung, das Unterfahren der Gründüngung sowie das Offenhalten zumindest jeder zweiten Fahrgasse kann die Konkurrenz um das vorhandene Bodenwasser reduziert werden.
Auch der Unterstockbereich sollte bei starker Trockenheit möglichst frei von konkurrierender Begrünung gehalten werden.
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Bewässerung. Je nach Voraussetzungen können Tropf- oder Unterflurbewässerung eingesetzt werden. Besonders bei jungen Reben kann auch das gezielte Gießen – beispielsweise mit einer Wasserlanze – dazu beitragen, die Pflanzen in kritischen Entwicklungsphasen zu unterstützen.
Bei jungen Weingärten kann außerdem eine Ertragsreduktion sinnvoll sein. Durch eine geringere Traubenmenge wird der Wasserbedarf der Rebe reduziert und die vorhandene Wasserversorgung kann stärker auf die verbleibenden Trauben und das Pflanzenwachstum konzentriert werden.
Bewässerung zeigt deutliche Wirkung
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Vergleich aus dem Weingarten: Die Aufnahmen vom 26. August 2026 zeigt Roten Veltliner unter vergleichbaren Bedingungen – zunächst eine nicht bewässerte, dann eine bewässerte Rebe.
Solche Beobachtungen aus der Praxis sind wichtig, um die Wirkung unterschiedlicher Maßnahmen unter den konkreten Standort- und Witterungsbedingungen beurteilen zu können.
Langfristig: Resilienz der Weingärten erhöhen
Neben kurzfristigen Maßnahmen gewinnen langfristige Strategien zunehmend an Bedeutung. Eine Möglichkeit ist die Auswahl geeigneter Unterlagsrebsorten, die mit trockenen Bedingungen besser zurechtkommen können. Genannt werden unter anderem 1103 Paulsen, 110 Richter, 140 Ruggeri oder Kober 5BB.
Auch der Humusgehalt des Bodens spielt eine wichtige Rolle. Durch die Zufuhr organischer Substanz, beispielsweise in Form von Kompost oder Stallmist, kann die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessert werden. Ein humusreicher Boden kann dadurch dazu beitragen, Trockenperioden besser zu überstehen.
Der Standort als entscheidender Faktor
Wie stark sich Trockenheit auf die Reben auswirkt, hängt wesentlich von den Bodeneigenschaften ab. Böden mit einem hohen Gehalt an pflanzenverfügbarem Wasser beziehungsweise einer hohen nutzbaren Feldkapazität können in Trockenperioden deutliche Vorteile bieten.
Insbesondere Lehmböden und sandige Lehmböden verfügen unter entsprechenden Voraussetzungen über eine vergleichsweise hohe nutzbare Wasserkapazität.
Damit gewinnt langfristig auch die Frage nach dem geeigneten Standort an Bedeutung. Ein Lagen-, Standort- oder Gebietswechsel kann unter veränderten klimatischen Bedingungen eine mögliche Strategie sein, um den Weinbau langfristig an die zunehmende Trockenheit anzupassen.
Anpassung an den Klimawandel
Das heurige Jahr macht deutlich, dass Trockenstress längst keine rein theoretische Herausforderung mehr ist. Die Kombination aus hohen Temperaturen und fehlenden Niederschlägen kann die Reben erheblich belasten und stellt den Weinbau vor neue Anforderungen.
Die Anpassung kann dabei auf mehreren Ebenen erfolgen: von der Begrünung und Bodenbearbeitung über Bewässerung und Ertragsregulierung bis hin zu Unterlage, Bodenmanagement und Standortwahl.
Forschung und Praxis sind daher gleichermaßen gefordert, Strategien zu entwickeln und zu erproben, mit denen die Widerstandsfähigkeit der Weingärten gegenüber zunehmenden Trocken- und Hitzestresssituationen verbessert werden kann.