Manchmal braucht ein wichtiger Besuch nicht viel Vorbereitung: Der Besuch von Landeshauptfrau-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf am 16. September 2026 wurde erst wenige Tage zuvor vereinbart. Umso größer war die Freude, dem interessierten Gast gemeinsam mit seinen Begleitern das neue Zentrum Wein-Obst (ZWO) sowie weitere Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen der HBLAuBA zu präsentieren.
Nach der Begrüßung durch Direktor DI Dr. Reinhard Eder führte ein Rundgang durch das neue Multifunktionsgebäude zu verschiedenen Stationen, an denen aktuelle Forschungsprojekte und zentrale Zukunftsthemen des Wein- und Obstbaus vorgestellt wurden. Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler des 5. Jahrgangs nutzten die Gelegenheit, ihre Arbeitsschwerpunkte und Projekte persönlich zu präsentieren.
Forschung für den Weinbau der Zukunft
Einen Schwerpunkt bildete die Züchtung neuer pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWI). DI Dr. Ferdinand Regner und DI Robert Hack erläuterten die praktische Vorgehensweise bei der Züchtung und gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Dabei wurde auch die Frage diskutiert, welche Möglichkeiten moderne gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas für die gezielte Neuzüchtung eröffnen und wie diese von der Genomanalyse zur gezielten Selektion konventionell gezüchteter Varianten zu unterscheiden sind.
Dass Forschung an der HBLAuBA nicht bei theoretischen Erkenntnissen endet, zeigte sich anschließend im Jungsommelier-Zentrum: Dort konnten drei vielversprechende PIWI-Neuzüchtungen aus der Züchtungsarbeit der Schule verkostet werden. So wurde unmittelbar erlebbar, wie aus wissenschaftlicher Arbeit konkrete Innovationen für die Praxis entstehen können.
Herausforderungen für Wein- und Obstbau
Im Glashaus standen anschließend aktuelle Herausforderungen im Obstbau im Mittelpunkt. Dr. Monika Riedle-Bauer präsentierte Forschungsergebnisse zu den für den Wein- und Obstbau besonders relevanten Phytoplasmosen Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung) und Birnenverfall. Dabei wurde deutlich, wie wichtig kontinuierliche Forschung und eine langfristige Finanzierung entsprechender Forschungsprojekte für die Zukunft der Branche sind.
Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Zukunftsthemen diskutiert. Dazu zählen insbesondere:
- Anpassungsstrategien an den Klimawandel, etwa trockenheitsresistente Unterlagen und Sorten sowie angepasste Anbausysteme,
- die Mehrweg-Bouteille als Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit,
- der Einsatz von Drohnen,
- sowie autonom und teilautonom arbeitende Maschinen als mögliche Antworten auf den zunehmenden Arbeitskräftemangel.
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Einblick in die High-Tech-Kellerei
Da die Gäste die innovative Weinkellerei im Weinkompetenzzentrum Agneshof bisher noch nicht kannten, durfte auch ein Besuch dieses modernen Forschungs- und Betriebsgebäudes nicht fehlen.
Die technische Ausstattung und die vielfältigen Möglichkeiten der Kellerei beeindruckten die Besucher sichtlich. Besonders anschaulich wurde der laufende Schul- und Forschungsbetrieb durch das Zusammentreffen mit Schülerinnen und Schülern: Während Schülerinnen und Schüler des 2. Jahrgangs auf den Beginn ihres Kellerwirtschaftsunterrichts warteten, arbeiteten Schülerinnen und Schüler des 5. Jahrgangs intensiv an ihren Diplomarbeiten.
Besonderes Interesse weckten die zahlreichen mittelgroßen Glasballons und kleineren Gärtanks mit gärendem Most. Darüber hinaus konnten verschiedene innovative Verfahren und Anlagen besichtigt werden – darunter Ultrafiltration, Membrankontaktor, Vakuumkonzentrieranlage, optische Sortieranlage, Cross-Flow-Filtration und Ozonisator.
Den Abschluss bildete eine Verkostung ausgewählter Weine. Direktor DI Dr. Reinhard Eder, Dr. Christian Philipp und DI Christoph Detz nutzten die Gelegenheit, aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorzustellen und dabei auch die Herausforderungen bei deren Umsetzung in die Praxis zu erläutern.
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Nach rund zweieinhalb Stunden intensiver Besichtigung und angeregter fachlicher Diskussion verabschiedeten wir unsere Gäste. Der Besuch hat eindrucksvoll gezeigt, wie eng Ausbildung, Forschung und Praxis an der HBLAuBA miteinander verbunden sind – und wie wichtig der regelmäßige Austausch mit Politik, Wirtschaft und Fachöffentlichkeit für die Weiterentwicklung des Wein- und Obstbaus ist.
Wir bedanken uns bei LHStv. Dr. Stephan Pernkopf und seinem Team für den interessierten Besuch und den offenen fachlichen Austausch. Der gemeinsame Vorsatz, diesen Dialog auch künftig intensiv weiterzuführen, bleibt dabei hoffentlich nicht der letzte Punkt dieses Besuchs, sondern der Beginn weiterer Begegnungen.